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„Jugend debattiert“ im postfaktischen Zeitalter


Sie dachten, Deutschland sei viermal Fußballweltmeister geworden? Unsinn! Denn, was die wenigsten wissen: die Weltmeisterschaft von 1954 wurde nachträglich von der FIFA als kombinierte Europa-Südamerika-Meisterschaft gewertet. Wussten sie nicht? Tja, stimmt aber! Sie dachten, die USA seien bisher noch kein einziges Mal Fußballweltmeister geworden? Quatsch! Die FIFA hat nachträglich die USA zum Weltmeister von 1950 erklärt, weil sie die angeblich unschlagbaren Engländer damals mit 1:0 besiegt haben. Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Warum? Ganz einfach: weil ich das so will. Und weil die Leute mir glauben, was ich sage, wenn ich es nur oft genug wiederhole. Ich habe es ja auch geschafft, dass die ganze Welt glaubt, ich sei als Geschäftsmann äußerst erfolgreich.

Seitdem ich ins Weiße Haus eingezogen bin, glauben mir noch mehr Leute als vorher. Denn alle können sehen: ich habe nicht nur Mauern für die Armen und Steuererleichterungen für die Reichen im Sinn. Nein, mir geht es auch um wirklich wichtige Themen. Umweltschutz und demokratische Teilhabe der Jugend zum Beispiel. Glauben Sie nicht? Stimmt aber! Nur fünf Tage nach meiner Amtseinführung war ich sogar auf einer wirklich herausragend besetzten Expertentagung in Hannover in good old Germany. Die nannte sich 'Jugend debattiert'. Und was soll ich sagen: die Leute da waren wirklich jung. Die gingen noch zur Schule. Aber sie hatten mehr drauf als mein ganzes verfluchtes Kabinett!

Diese Krauts. Extrem effizient. Erst haben Sie in einer Art Wettbewerb darüber diskutiert, ob man höhere Strafen für Umweltsünden einführen sollte. Und ich bin wirklich nachdenklich geworden. Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Vielleicht sollte man wirklich mal beherzigen, was die Expertin der Helene-Lange-Schule angesprochen hat: dass Strafen alleine nichts bewirken, sondern dass man vielmehr einen Wandel im Bewusstsein für die Umwelt herbeiführen müsse, der viel effektiver sei. Memo an mich: Hire Miss Chiara Bandmann (Platz 3 im stadtweiten Think Tank für Schüler der Klassenstufen 8 und 9!).

Die zweite Frage: Sollte eine Jugendquote in öffentlichen Institutionen eingeführt werden? Und wieder zeigte sich, was für eine Talentschmiede die Helene-Lange-Schule sein muss. Charlotte Kleemann (Platz 1 im stadtweiten Think Tank für Schüler der Klassenstufen 10-12!) und Stefanie Juch (Platz 2!) hatten so gute Argumente, dass ich auch sie vom Fleck weg engagieren würde und ich mich beginne zu fragen, ob ich wirklich immer alles selber regeln muss. Vielleicht haben Leute, die jünger sind als ich, auch gute Ideen. Vielleicht ist dieser Alleinherrscher-Komplex, an dem ich angeblich leide, tatsächlich real. Vielleicht ist Deutschland tatsächlich viermal Weltmeister geworden.

Vielleicht zweifle ich gerade zum allerersten Mal an mir selbst. Glauben Sie nicht? Na ja, was soll ich sagen ... Ich kann es auch kaum glauben ...

aufgezeichnet von Lars Klene

 
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